Klinische Ethik

Arbeitsgruppe "klinische Ethik"

Es bewegt sich doch… Der relativ neue Begriff der "klinischen Ethik" hat seit einigen Jahren im klinischen Betrieb Einzug gehalten. Die Verknüpfung von „klinisch“ mit „Ethik“ erscheint vielleicht selbstverständlich, ist aber für alle Fachpersonen, die direkten Kontakt mit den Patienten haben, von herausfordernder Bedeutung. Ich denke insbesondere an Assistenzärtzinnen und -ärzte, Pflegende, Psychologinnen, Sozialarbeiter und Kaderleute mit verschiedenen Verantwortungen im klinischen Betrieb. Wird die „klinische Ethik“ ernst genommen, werden Fragen des „richtigen Handelns“ gewürdigt und finden einen Platz neben den alltäglichen Sorgen wie der Suche nach Evidenz, dem Streben nach Qualität und der Berücksichtigung der Kosten. Weil klinische Ethik nur interdisziplinär funktionieren kann, sind verschiedene Spezialisten und Disziplinen damit konfrontiert.

Die Empfehlungen der SAMW "Ethische Unterstützung in der Medizin“ (2012) sind im richtigen Moment entstanden. Mit einer breiten Auffassung von Ethik-"Strukturen" sprechen die Richtlinien viele Akteure in Pflege- und medizinischen Bereichen an und vermitteln praktische Instrumente zur Umsetzung im klinischen Alltag. In der Schweiz wird heute in den meisten medizinischen Einrichtungen die Wichtigkeit der klinischen Ethik anerkannt. Wir wissen aber nicht, wie die klinische Ethik ihren Platz in der vielfältigen Welt der Spital- und Praxisbetriebe findet: "Wer" beschäftigt sich mit klinischer Ethik und "wie“ wird sie in den klinischen Alltag integriert? Welche Qualität und Verbindlichkeit haben die ethischen Prozesse? Erleben Fachpersonen und Patienten sie als zielführend und hilfreich?

Die SGBE hat eine Arbeitsgruppe gebildet, die diesen Fragen nachgeht. Sie
hat vorerst zum Ziel, die Personen, die in der Schweiz in der klinischen Ethik praktisch und akademisch tätig sind, zu vernetzen und zu unterstützen. Die Arbeitsgruppe versteht sich als eine zentrale Koordinations- und Anlaufstelle sowohl für Praxis (Austausch von praktischen Erfahrungen), wie auch für Weiterbildung und Forschung . Vergleichen Sie dazu den Aufruf in der Rubrik Mitteilungen.

Die SGBE nimmt gerne die Herausforderung auf, ein "Netzwerk klinische Ethik" zu verwirklichen. Nikola Biller-Andorno hatte 2008 im Bioethica Forum ein Editorial mit dem Titel "Clinical ethics: adolescent times" geschrieben. Als Kinder- und Jugendmediziner finde ich diese pointierte Feststellung auch im 2014 noch sehr treffend. Wie gegenüber Adoleszenten, können wir die Unebenheiten und Widersprüche dieser "Disziplin“ akzeptieren. Wenn diese Metapher gilt, können wir zugleich erwarten, dass sie sich stetig entwickelt und entfaltet.

Valdo Pezzoli (Bioethica Forum 2014;2:71)

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